Wolfgang Martynkewicz: Tanz auf dem Pulverfass

Gottfried Benn, Die Frauen und die Macht

 

Gebundene Ausgabe: 408 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 1 (17. Mai 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3351036663

Vor einiger Zeit habe ich vom Aufbau Verlag ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen. Dieses Buch zu lesen und zu rezensieren, war mir eine Herzensangelegenheit. Den Autor des Werks kenne ich von damals, als ich als Studentin in Bamberg einen Kurs bei ihm belegt habe. Er hatte einen hohen Anspruch an seine Studenten und meine Hausarbeit zu Peter Handkes Don Juan hat mich doch sehr herausgefordert. Umso kritischer fing ich dann an zu lesen:

ZUM AUTOR:
1955 geboren, studierte er Literaturwissenschaft, Psychologie und Soziologie.
Er arbeitete, als Lehrbeauftragter an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und an der Universität Bayreuth.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und zur Geschichte der Psychoanalyse sind von ihm verfasst worden.
2009 erschien sein Werk „Salon Deutschland. Kunst und Macht 1900–1945“ .
Heute lebt er als Autor, Editor und Rezensent auf Andalusien.

INHALT:
Gottfried Benn-Dichter und Frauenheld.
Am 3. Februar 1917 besucht der junge Arzt und angehende Dichter Gottfried Benn die Familie Sternheim, Carl und Thea Sternheim, sowie deren zwei Kinder Mopsa und Klaus, in ihrem Haus im Brüsseler Vorort La Hulpe.
Sowohl Thea Sternheim, als auch, die dann erwachsene Mopsa Sternheim wird eine langjährige Freundschaft mit Benn verbinden.
Diese Dreier-Konstellation besteht jedoch aus einem regen Wechselspiel zwischen Liebe und Hass und Verehrung und Abneigung.
Bewunderung und Abscheu sind im Allgemeinen die Gefühle, die Benn in vielen Frauen wachruft. Optisch ist Benn zwar nicht der typischen Frauenhelden, dennoch weiss er genau, wie er eine Frau um den Finger wickelt, sodass sie ihm zu Füßen liegt.
Aber nicht nur sein legendärer Frauenverschleiss ist so charakteristisch und wird in dem Buch beschrieben, sondern auch seine radikale Sicht auf die Welt, sein Selbstbild und seine manchmal auch sehr kontroversen Ansichten.
Martynkewicz schildert in seinem Werk den Werdegang des Dichters von seiner Tätigkeit als Militärarzt zum renommierten Autor.
Er beschreibt auch das Auf- und Ab dieses Lebensweges, bleibt dabei aber auch nicht länger als nötig an verschiedenen Etappen hängen.
Lieber würzt er es mit kurzen und informativen Exkursen über andere Autoren und Künstlern dieser Zeit, die Benn während seines Lebensweges begegnet sind.
Hierzu gehören Heinrich Mann, André Gide, Else Lasker- Schüler, Max Beckmann und Käthe Kollwitz, um einige zu nennen.
Im Zentrum des Buches steht allerdings die enge Freundschaft von Gottfried Benn zu Thea und Mopsa Sternheim. Beide Frauen waren Benn sowohl zugeneigt, als auch von ihm abgestoßen.
Martynkewicz schildert die Beziehung der drei Akteure zueinander, die nicht immer reibungslos war, auf eine sehr interessante Art und Weise. Neben den biographischen Daten zu Gottfried Benn, erhält der Leser passagenweise ebenfalls Auskunft über das Leben und den Werdegang dieser beiden Frauen.

FAZIT:
Martynkewiczs Werk ist keine typische Dichterbiographie. Die wichtigsten biographischen Daten aus dem Leben von Gottfried Benn werden erwähnt und auch sein literarischer Werdegang wird beschrieben, allerdings nicht in der Breite, die zunächst vielleicht vermutet wird. Benn, sein Leben und sein Werdegang als Autor sind zwar das zentrale Thema des Buches, aber es dreht sich nicht ausschließlich um Benn. Vielmehr informiert und gibt das Buch auch Auskunft über das Leben anderer Autoren, Künstler und großen Persönlichkeiten dieser Zeit.
Die Dreier-Konstellation Gottfried Benn, Thea und Mopsa Sternheim ist ein interessanter Ausgangspunkt für eine derartige Biographie.
Das Werk ist sehr gelungen. Dadurch, dass der Fokus nicht nur auf Gottfried Benn liegt, ist es sehr unterhaltend und informativ.
Martynkewicz versteht sein Handwerk als Literaturwissenschaftler, denn trotz der Fülle, an Informationen, die auf den Leser einströmen, wird er davon nicht erschlagen oder überfordert, sondern auf eine angenehme Art gebildet und unterrichtet.
Martynkewiczs Form dieser Biographie, sich nicht nur auf Benn zu versteifen, sondern auch dessen menschliches Umfeld als thematische Eckpfeiler zu benutzen, finde ich sehr innovativ und geglückt.
Dennoch muss gesagt werden, dass eine Biographie stets mit vielen Daten und auch mit einem geschichtlichen Kontext einhergeht, der sich doch recht anstrengend liest.
Auch Martynkewiczs Werk beinhaltet genau dies und ist nichts, was schnell nebenbei gelesen werden kann.
Wer sich allerdings für Dichterbiographien begeistern kann, sich gerne etwas weiterbilden möchte und auch darüber hinwegsehen kann, dass Gottfried Benn als Kernfigur nicht immer den sympathischsten Eindruck erweckt, dem wird diese untypische Dichterbiografie sicher zusagen.
Von mir bekommt das Buch vier von fünf Sternen, denn es ist, meines Erachtens nach doch ein historischer Roman in gehobener Form. Allerdings hat Martynkewicz mich mit seinem Werk nicht nur als Literaturwissenschaftler überzeugt, sondern definitiv auch als Autor.

Heute Abend gibt es den zweiten Teil meiner Arbeit zu diesem Werk und zwar ein kleines Interview mit dem Autor:-)

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