Manchmal sind diese Zweifel da. Diese kleinen, feinen, fast unsichtbaren Zweifel, die dann an mir nagen. Nicht häufig, nur manchmal und fast bemerke ich sie nicht in dem ganzen Chaos um mich rum. Aber ja, sie sind da und auch sichtbar. Eben manchmal.

Ich sehe sie im Schatten stehen und mich anlächeln. Ich spüre sie. Am ganzen Körper spüre ich sie, wie sie mich aus dem Schatten heraus beobachten. Manchmal machen sie mir Angst. Manchmal erfreuen sie mich auch, auf diese angenehme Art und Weise. Leise Zweifel, die im Wind säuseln. Leise Zweifel, die auf mich aufpassen und mich waren möchten. Die mich einfach nur beschützen möchten, aus dem Schatten heraus, wie Freunde. Manchmal machen sie mich darauf aufmerksam genauer hinzuschauen, genauer hinzuspüren. Sie machen mich darauf aufmerksam genauer dorthin zu spüren, wo sie sind, im Schatten versteckt und in mir und auf mir vorhanden. Ja, manchmal sind sie ganz plötzlich überall. Dann machen sie mir Angst. Dann kleben sie an mir und verfolgen mich und verschwinden einfach nicht. Dann drücken sie mich zu Boden. Dann erscheinen sie mir groß und mächtig, diese kleinen Zweifel, die im Wind säuseln. Dann säuseln sie auch nicht mehr lieblich im Wind. Dann schreien sie einfach nur. Sie schreien mich an. Sie plärren mich an. Dann toben sie und wüten sie in mir und um mich herum. Dann wirken sie monströs. Dann gehe ich in die Knie und halte mir die Ohren zu und verschließe fest meine Augen und wünsche mich einfach nur ganz weit weg. Ganz weit weg von ihnen und ganz weit weg von mir. Dann ist woanders sein besser, als da zu sein, wo ich bin. Manchmal gelingt es. Dann fliege ich einfach nur davon. Weit weg fliege ich dann. Weg von den Zweifeln und weg von mir. Dann bin ich frei und glücklich für eine Weile, bis ich ihnen erneut begegne. Diesen kleinen, feinen, fast unsichtbaren Zweifeln, die aber nie ganz verschwinden, höchstens nur ganz kurz, in den Momenten des Glücks.

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19 Gedanken zu “Kleine, leise Zweifel

  1. Mein Großvater nannte es den kleinen Mann im Ohr. Der, der selbst in schönen, unbeschwerten Momenten piekst und trietzt mit feinen Spitzen, die einen immerfort zweifeln lassen, einen anstiften wollen zu voreiligem Handeln. Zweifeln selbst an dem, was wir als richtig und echt erkannt zu haben glauben. Nachts sind die Schatten am größten, die Stimmen am lautesten hörbar, im Dämmerzustand zwischen den Welten, wenn wir uns kaum wehren können. Jedenfalls bei mir ist es so. Die ersten Strahlen der Morgensonne und der erste Kaffee lassen sie verschwinden, Leichtigkeit und Schönheit kehren zurück. Nicht für ewig, aber für eine ganze Weile.

    Gefällt 1 Person

    1. Das hast du wunderschön formuliert:-) Ich danke dir für deine Zeilen und wünsche dir eine gute und erholsame Nacht. Wach morgen fröhlich auf und lasse alle Stimme des Zweifels hinter dir, beim ersten Sonnenstrahl:-)
      Liebste Grüße
      Mia

      Gefällt 2 Personen

  2. Zweifel gehört zum Leben.
    Wenn es passt, verschwindet er 😉

    Ansonsten: Irgend etwas ist immer. Habe ich mich für einen Menschen entschieden, nehme ich ihm am Stück, sozusagen. Als Ganzes. Eine Entscheidung. Bekomme ihn mit Licht und Schatten, wie er mich auch. Wenn ich trotz Schatten JA sagen kann, stehe ich über jeden Zweifel. Hält jener sich hartnäckig, siehe oben…

    Gilt auch für andere Lebensbereiche.
    Für und wider.
    Plus und Minus
    Soll und Haben

    Mir hilft gerade jetzt in meinen letzten Berufsjahren der Blick auf das Haben.

    Grüße !

    Gefällt 2 Personen

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