Hanne-Vibeke Holst – Das Mädchen aus Stockholm

Nichts ist wie es scheint.

Die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen hinweg. Bestehend  aus Täuschungen, Lügen und Schweigen. Erst die Gegenwart zeigt die katastrophalen Auswirkungen.

Holst Roman enthält zwei Erzählstränge. Die Geschichte einer schmählichen Vergangenheit und als Rahmenerzählung die tragische Geschichte der Gegenwart mitsamt dramatischem Höhepunkt.

Helena Tholstrupp, Intendantin der Berliner Oper, wird durch eine Preisverleihung ausgezeichnet. Obwohl das Mutter-Tochter-Verhältnis durchweg gestört ist, erscheint ihre Tochter Sophie mit ihrem Verlobten Khalil.

Nach der Preisverleihung gibt es für Mutter und Tochter ein böses Erwachen. Eine grausame Tat lüftet verdrängte und dunkle Geheimnisse.

Die Rahmenerzählung unterbricht immer wieder die Hauptgeschichte.

Holst beschreibt das Leben von Helenas Eltern Ninni und Leo. Leo,sein Zwillingsbruder Leif und deren Kindheit als Pfarrerssöhne in Dänemark sind der Ausgangspunkt für die detaillierte Beschreibung des Nachfolgenden.

Die Zwillinge durchleben den Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Sie sind nicht nur Geschwister, sondern auch beste Freunde. Trotz des Älterwerdens und der unumgänglichen Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit halten sie zusammen. Ihre eigentlich unzertrennliche Verbindung wird im Laufe des Romans nach und nach negativ beeinflusst durch die Liebe zu ein und derselben Frau.

Eine kleine Lüge am Anfang wird über die Jahre zu einem belastenden und fast unerträglichen Alptraum. Erst in der nachfolgenden Generation, der Gegenwart, kommt es zur Aufklärung.

Die Wahrheit liegt in einem Schuhkarton, den Helena von ihrem Vater vor seinem Tod erhalten hat. Bis zum Schluss des Romans hatte sie nie den Mut den Inhalt des Kartons zu studieren und so einer schrecklichen Wahrheit auf die Spur zu kommen. Der Karton enthüllt zum größten Teil die düsteren Geheimnisse ihrer Eltern und Großeltern. Einzig der Leser erfährt, durch die detaillierte Beschreibung Holst, das volle Ausmaß an Grausamkeiten.

Und auch wenn am Ende durchaus Aufklärung herrscht und ein Funke auf Besserung für die nachfolgenden Generationen vorhanden ist, bleibt doch ein penetranter und bitterer Geschmack zurück.

Holst bietet eine komplizierte, verwobene, tragische Geschichte mit vielen überraschenden Wendungen. Zudem beleuchtet sie etwas die Situation von Dänemark im 2.WK. und würzt all das mit ein paar, leider doch recht oberflächlichen, Randbemerkungen bezüglich Terror und Islam.

Die Dicke des Buches, lange Sätze, aufklärende Informationen und die immer wiederkehrenden Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart strengen an. Das Buch ist zudem auch durch eine emotionale und tragische Geschichte keine wirklich leichte Kost. Nichtsdestotrotz zeigt es glücklicherweise ganz deutlich die Konsequenzen des Lügens auf und transportiert die Botschaft, dass Wahrheit, egal wie schrecklich sie auch sein mag, immer noch besser ist, als die süßeste Lüge.

(erschienen: FZ)

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