Mitten in der Nacht erwachte ich aus Träumen. Die Funkuhr auf dem hölzernen Nachttisch, mit den zwei fast gänzlich leeren Schubladen, zeigte drei Uhr in der Frühe.

Die teuflische Stunde ließ sie verlauten. Die Dunkelheit im kleinen Schlafgemach trübte den Blick auf das vorhandene Umfeld. Ich sah jene nächtlichen Gestalten im Zimmer tanzen. Sie verfolgten mich aus meinen Träumen hinaus in meine Welt, die mir doch so fremd war, wie die des Traums. Mein Herz überschlug sich in der Brust und zersprang fast vor Furcht. Draußen, um nächtliche Stunden, vorbeifahrende Autos. Brocken von Gesprächen, der vor dem Haus gammelnder Obdachloser und Junkies, drangen schonungslos an meine Ohren. Die Lichter der hell blinkenden Leuchtreklamen, Werbung für ein billiges Motel der Stadt, hüllten den Raum in ein außerirdisches Licht. Zitternd wagte ich es meinen Körper in eine sitzende Haltung zu befördern. Eingehüllt in die, mit roter Bettwäsche überzogene Decke, saß ich da. Ein weisses, ausgeleiertes Unterhemd und ein einfacher, schlichter, schwarzer Slip ließen mich, vor der im Raum sich befindenden Kälte bibbern. Mein Haar zerzaust ins Gesicht hängend. Meine rechte Hand flog in jene Richtung. Ich ertastete ihn. Strich die Kontur seines Körpers nach. Meine Ohren wurden taub für die sich um mich befindenden, vorhandenen Geräusche. Ich hörte nur sein stattfindendes Leben. Sein regelmäßiger Atem entzückte mein ängstliches Herz. Glück durchfuhr mein Inneres. Die Gewissheit, dass er da war. Bei mir, warm, wie ich bei ihm.Nur für Sekunden war jenes, eben noch so glanzvoll vorhandene Glück existent. Ein Schauder in mir erwachte in einem Moment, so wie ich erwachte in der Nacht durch die Alpträume. Jetzt waren sie wieder da. Jene, die mich eben erst verlassen haben. Schwebten erneut über meinem Haupt. Ängstigten mich dieses Mal fast gänzlich zu Tode. Er hier, doch eigentlich wo? Wo mochte er sein? Jetzt im Schlaf? Jene Pein zerriss mich fast. Ungewissheit kroch hervor. Demütigung, die ich nicht wollte. Meine rechte Hand schüttelte ihn. Rüttelte an seinem Körper.

Erschrocken fuhr er hoch.

Du hast geträumt.Ich bin doch bei dir.Stets

So selbstverständlich jene Worte aus seinem Munde. Er wusste nicht, was er da wirklich tat und sagte. Für ihn so unfassbar und da, im Augenblick vielleicht wahr und normal. Doch ich vernahm nur:

BEI DIR.STETS.

Schlief ein, in seinem mich umhüllenden,vor den nächtlichen Gestalten schützenden,vor der Kälte wärmenden Armen. In absoluter Glückseligkeit.

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2 Gedanken zu “Kurz davor oder:Die Ruhe vor dem Gewitter

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